Die Stadt Kabwe

Allgemein

  • Kabwe ist die Hauptstadt der sambischen Provinz Zentralprovinz und wie der Name bereits vermuten lässt, befindet sich diese Provinz und somit auch Kabwe im Herzen des Landes.
  • 2011 lebten hier etwa 208.000 Menschen, heute könnten es jedoch auch deutlich mehr sein.
  • Kabwe ist die viertgrößte Stadt des Staates und liegt nur circa 140 Kilometer von der Hauptstadt Lusaka entfernt.
  • Bedingt durch seine Lage zwischen der Hauptstadt Lusaka und der Industrieregion Copperbelt (dt. Kupfergürtel), gilt Kabwe als Transitstadt und als Durchgangspunkt für Reisende Richtung Norden oder Süden. Die Zuggleise wie auch die Great North Road verlaufen durch den Ort.
  • Während das Stadtzentrum in der Kolonialzeit als rechtwinkliges Straßennetz mit Geschäftsbereich geplant erbaut wurde, entstanden darum herum im Laufe der Zeit immer mehr „satellite townships“ unstrukturiert, mit hoher Wohndichte und größtenteils für ärmere Bevölkerungsschichten. Da stets weitere Häuser dazukommen, verschmelzen die Grenzen zwischen den einzelnen Stadtvierteln immer mehr. Ein Satellitenbild von GoogleMaps vermittelt einen Eindruck der Stadtstruktur.

Geschichte und Wirtschaft

  • Geschichte und Wirtschaft – diese beiden Themen sind im Falle von Kabwe eng miteinander verknüpft. In der damaligen britischen Kolonie Nordrhodesien wurde 1902 aufgrund des Fundes einer Erzader an jener Stelle eine Niederlassung gegründet, die in den darauffolgenden Jahren stetig anwuchs. Bis 1964 war der Ort als Broken Hill bekannt – benannt nach einer gleichnamigen Mine in Australien – und wurde im Zuge der Unabhängigkeit Sambias in Kabwe oder Kabwe-Ka Mukuba umbenannt, was “Erz“ oder “Schmelzen“ bedeutet. Hauptsächlich wurden in der errichteten Mine Blei und Zink abgebaut, in geringem Ausmaß auch Mangan, Cadmium und Vanadium. 1994 wurde der Bergbau offiziell eingestellt, der bis dahin ohne Umweltauflagen ausgeübt worden war. Dies führte zu einer erheblichen Wasser- und Bodenverseuchung und noch heute lassen sich erhöhte Bleiwerte im Blut der Einwohner Kabwes nachweisen.
  • Bereits Anfang des 20. Jahrhunderts wurde ein Bahnhof errichtet, der auch heute noch in Betrieb ist. Damals wurde er von Rhodesian Railways betrieben und die Eisenbahner-Gewerkschaften (Rhodesia Railway Workers‘ Union (RRWU) und Northern Rhodesia African Railway Workers Trade Union (NRARTWU)) mit Sitz in Kabwe spielten eine entscheidende Rolle in der Politik Sambias. Heute befindet sich die Zentrale der Eisenbahn in Kabwe.
  • Angesichts der zentralen Lage und der Basis der Eisenbahngewerkschaft, wurde am nahegelegenen Mulungushi Rock 1958 eine Kundgebung von einer Splittergruppe des Sambisch Afrikanischen National Kongresses (ZANC) abgehalten. Später entstand daraus die politische Partei United National Independence Party (UNIP), die die Unabhängigkeitsbewegung des Landes erfolgreich anführte.
  • 1924 wurde eines der ersten Wasserkraftwerke Afrikas am Mulungushi River in der Umgebung der Stadt erbaut, um die Siedlung und die Mine mit Strom zu versorgen.
  • Wurde so als “Geburtsplatz der Unabhängigkeit” bekannt.
  • Seit Schließung der Mine hat sich die wirtschaftliche Lage Kabwes deutlich verschlechtert, einige Industrien konnten sich jedoch bis jetzt halten, wie beispielsweise die Pharma-, Gerberei-, Mühlen-, und Baumwollentkörnungsindustrie. Die für über 9 Jahre geschlossene sambisch-chinesische Textilindustrieanlage Mulungushi Textiles wurde im August 2016 kurzzeitig wiedereröffnet, hat den Betrieb mittlerweile aber wieder eingestellt.
  • Kommerziell werden im Umfeld von Kabwe vor allem Mais und Tabak angebaut.

Umweltprobleme

  • 2013 wurde Kabwe vom Blacksmith Institute/Pure Earth und dem Green Cross Switzerland als einer der zehn giftigsten Plätze der Welt genannt.
  • Noch immer versuchen Menschen auf den stillgelegten Halden auf dem Black Mountain Erzrückstände zu fördern – illegal und oftmals barfuß, ohne Schutzkleidung und ohne professionelles Werkzeug.
  • Trotz Initiativen von der World Bank, NGOs und der Regierung sind heutzutage noch immer hohe Kupfer-, Zink- und Bleikonzentrationen im Boden, Wasser und Staub festzustellen und tausende Einwohner leiden unter den Auswirkungen. Insbesondere Blei kann schwerwiegende Folgen haben, da es sich im Körper anreichern und zu chronischen Vergiftungen führen kann. Nachweisbar in besonders hohen Konzentrationen ist das Metall vor allem in Körpern von Kinder, da diese beim Spielen viel Kontakt mit dem Erdboden haben. Untersuchungen kamen zu dem Ergebnisse, dass bei Kinder in Kabwe der Anteil von Blei im Blut im Durchschnitt sechs- bis zwölfmal höher ausfällt als bei Gleichaltrigen in Industriestaaten – mit negativen Folgen für die Entwicklung der Kinder, beispielsweise für das Gehirn und weitere Organe.

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