Projektmanagement und Erneuerbare Energie

Ein wertvoller Beitrag von Nora Mankel, vom 24.04.2018

Ein sehr bedeutender Teil der Entwicklungszusammenarbeit ist die Erzeugung und Speicherung von Energie. In vielen Ländern des globalen Südens ist es nicht selbstverständlich, durchgehend Strom und Licht zu haben. Viele Vorgänge werden manuell betrieben oder man muss warten bis es wieder eine funktionierende Stromquelle gibt.

Aus dem Grund ist in den globalen Zielen für Nachhaltige Entwicklung der Punkt der erneuerbaren Energie als eigenes Ziel festgehalten. Ziel 7 „Bezahlbare und Saubere Energie“ umfasst alles, was die Sicherung des Zugangs zu bezahlbarer, verlässlicher, nachhaltiger und zeitgemäßer Energie für alle angeht. Bis 2030 soll die Technik große Schritte in dem Bereich gemacht haben, um Strom an die Orte auf der Welt zu bringen, die noch keinen Zugang dazu haben.

Es gibt in dem Bereich der Entwicklung von erneuerbaren Energien und deren Speicherung noch viel Luft nach oben, jedoch gibt es heute schon viele Möglichkeiten PV-Anlagen zur dezentralisierten Stromversorgung zu nutzen. Für Dörfer die weit vom öffentlichen Stromnetz angesiedelt sind, ist dies eine ideale Lösung. Dort werden Solaranlagen immer mehr dafür genutzt, die traditionellen, fossilen Energien abzulösen, um z.B. CO2 Emission zu verringern und die Bewohner mit nachhaltigem Strom zu versorgen. Wenn man sich darauf verlassen kann, dass der Strom nicht plötzlich ausfällt, hat das einige positive Aspekte: bisher aufwendige Aufgaben wie z.B. Wasser holen, kann durch Pumpen ersetzt werden, Hausaufgaben können auch abends noch beim Licht einer Lampe erledigt werden, Maschinen bleiben im Betrieb und Fabrikarbeit kommt nicht zum Erliegen – die durchschnittliche Lebensqualität der Betroffenen steigt. Bildung, Wirtschaft und Privatleben, alles ist auf irgendeine Art von konstanter Stromversorgung abhängig. Natürlich geht es auch ohne, aber es geht eben doch besser mit. Somit wirkt sich das Erreichen des SDGs 7 auf andere Ziele der Entwicklungsziele aus: „Gesundheit und Wohlergehen“, „Hochwertige Bildung“, „Menschenwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum“ und „Industrie, Innovation und Infrastruktur“ sind nur ein paar davon.

Gerade bei größeren Energie-Projekten ist es nicht möglich einfach blindlings drauf los zu arbeiten. Von Tag 1 muss das Projekt geplant und begleitet werden und das am besten von einem Team das daran gemeinsam arbeitet. Dabei durchläuft man mehrere Schritte die hin zur Inbetriebnahme führen. Begonnen wird mit „Consulting & Acquisition“ (Beratung), dann geht es über zum „Basic Engineering“ (Grundtechnik), „Development“ (Entwicklung), „Financing“ (Finanzierung), „Engineering Procurement & Construction“ (Konstruktion) und zu guter Letzt „Operation & Service“ (Inbetriebnahme und Wartung). Um allen diesen Schritten zufrieden stellend gerecht zu werden, braucht es ein Team von Menschen, die sich, entsprechend ihrer Fähigkeiten und Professionen, um die Abläufe kümmern.

Herausforderungen und Schwierigkeiten lassen sich auf dem Weg bis zur Inbetriebnahme auch nicht vermeiden. Diese haben ganz verschiedene Gesichter. Wenn man ein Projekt in einem anderen Land umsetzt, kommt es unvermeidlich zu kulturellen Unterschieden. Aus dem gleichen Grund kommt es auch des Öfteren zu Transport Schwierigkeiten. Manche Materialien können nicht per Luftfracht versandt werden und müssen über den Wasserweg an ihr Ziel gelangen. Durch Wettergegebenheiten und andere Faktoren kann es dabei zu erheblichen Verzögerungen des vorher aufgestellten Zeitplans kommen. Ein meiner Meinung nach sehr wichtiger Faktor ist auch die Involvierung der lokalen Bevölkerung. Es ist wichtig diese miteinzubeziehen, denn sie sind am Ende auch diejenigen, die die neue Anlage Instand halten müssen. Auch der Aspekt des verantwortungsvollen Umgangs ist sehr wichtig, denn wenn die neuen Besitzer der Anlage nicht das Gefühl haben, dass sie sich darum kümmern müssen, dann kann es ganz schnell passieren, dass das Projekt einschläft bevor es überhaupt so richtig startet.

Dafür zu sorgen, dass die unterschiedlichen Aufgaben vernünftig bearbeitet werden und der Ablauf stimmt, ist die Aufgabe des Projektmanagers. Er muss den Überblick behalten und dennoch auch die Kleinigkeiten nicht aus den Augen verlieren. Gerade wenn das Projekt vor Herausforderungen steht, ist es sein Job das „Big Picture“ zu teilen und neue Ideen und Lösungsansätze zu entwickeln, bzw. das Team um ihn herum dazu zu motivieren, eigene Ideen zu suchen. Ich denke, wenn es um Energieprojekte oder andere technische Entwicklungen geht, ist es von großer Bedeutung, dass die Stelle des Projektmanagers von Ingenieuren besetzt ist. Kein Ingenieur kennt sich in jedem Teilbereich eines Projektes perfekt aus. Dennoch ist höchstwahrscheinlich mehr Verständnis und Toleranz für technische Probleme und zeitlich Verzögerungen, die auf technischen Problemen beruhen, da, als bei einem Projektmanager, der keine Ahnung von dem Themengebiet hat und „nur“ seine Projekt-Liste abklappert. Wenigstens die technischen Grundlagen müssen da sein, um das Projekt auch wirklich kompetent begreifen zu können.

Erneuerbare Energien sind die Lösung vieler Probleme die in der Welt zu sehen sind und ich denke, es muss immer mehr Menschen geben, die sich in dem Themenbereich ausbilden lassen, bzw. ihr Wissen an andere weitergeben. Natürlich gibt es auch Nachteile, doch man muss realisieren, dass die Sonnenenergie nicht aufgebraucht werden kann wie so manch andere Ressource auf dem Planet Erde – dieses Wissen muss man nutzen und weiterentwickeln.